Die wichtigen Funktionen eines Scheibenwischers

So ein Scheibenwischer hat es auch nicht leicht. Eisige Kälte, Gewitter, Regen, Stürme, Schnee, Eis und alle möglichen Sorten an Dreck, all das sind seine Gegner, gegen die es sich zu wehren gilt. Das kleine aber wichtige Detail am Auto wurde vom Bruder Kaiser Wilhelms II erfunden und unter dem Namen Abstreiflineal, handbetätigt, zum Patent angemeldet. Robert Bosch machte dann aus diesem handbetätigten Lineal einen automatisch betriebenen Wischer, der sich fortan mühte, für eine frei Sicht während der Fahrt zu sorgen.

Er leistet Erstaunliches

Scheibenwischer erreichen ein ähnliches Alter wie Hamster, durchschnittlich zwei Jahre. In dieser Zeit reinigt er eine Fläche, die 78 Fußballfeldern gleichkommt, und legt dabei 800 Kilometer zurück. Eigentlich traut man dem kleinen Gummiteil eine derartige Leistung gar nicht zu. Dabei soll er seine Arbeit stumm und zuverlässig verrichten und dabei nach Möglichkeit darauf verzichten, den Fahrer mit irgendwelchen unnötigen Geräuschen zu nerven. Das ist nicht viel, aber doch eine ganze Menge, da diese Anforderungen gar nicht so leicht zu erfüllen sind.

Forscher haben inzwischen herausgefunden, dass man die besten Ergebnisse beim Wischen erzielt, wenn der Scheibenwischer schwungvoll in einer Wellenbewegung über die Scheibe seiner Limousine gezogen wird. Dabei ist es gleichzeitig wichtig, dass der Scheibenwischer nicht geschoben, sondern gezogen wird, da er ansonsten nur über die Scheibe rubbeln würde, und das nicht einmal besonders lange, dann hinge er in Fransen. Schon bei der gezogenen Arbeitsweise können, hervorgerufen durch mangelnde Kenntnis (oder Ignoranz) gibt es für den Wischer Probleme genug, indem man ihm aufträgt, trockene Scheiben mit trockenen Wischern von trockenem Dreck zu befreien.

Gutes Wischen ist keine Zauberei

Eine optimale Wirkung erzielt man, wenn der Wischerarm den Scheibenwischer in einem 45-Grad-Winkel über die Autoscheibe führt, wobei die Auflagefläche maximal fünfzehn tausendstel Millimeter erreicht. Mit jedem Wischvorgang schiebt die Mikrokante ein kleines Glas Wasser vor sich her, das Aquaplaningrisiko steigt. Daher sollte immer ein gleichmäßiger Druck auf der Wischerkante liegen, anders ist für den Scheibenwischer keine vernünftige Arbeit möglich. Diese Aufgabe wird mit steigender Geschwindigkeit immer wichtiger, da Kunden, die eine Limousine kaufen möchten, auch auf solche Details wesentlich mehr achten als früher.

Ein Scheibenwischer kämpft an allen Fronten. Dabei geht es um sich verändernde Unterdruckeffekte, Winddruck, Turbulenzen und vieles mehr. Bei einem stehenden Fahrzeug wirken bei Regen etwa 0,2 Newton auf den Wischer, bei einer rasanten Fahrt von rund 180 km/h sind es schon 2,4 Newton, mehr als das Zehnfache. Bis vor einigen Jahren wurden die Scheibenwischer deswegen mit Spoilern ausgerüstet, damit sie bei voller Fahrt nicht abheben. Inzwischen wurden die Scheibenwischer weiterentwickelt, sie sind heute ihr eigener Spoiler. Sie wurden auf Luftwiderstand, Form und Art immer wieder in Klima- und Windkanälen getestet und aufgrund der hierbei ermittelten Ergebnisse inzwischen so geformt, dass sie die Wirkung eines Spoilers haben und von einem schwarzen Gummimantel umhüllt sind, zumindest einige von ihnen. Mit diesem Trick erreicht man einen Anpressdruck von 15 bis 18 Newton je Meter über die gesamte Wischerlänge.

Kunden, die ein Luxusauto kaufen wollen, sind regelmäßig begeistert, wenn der Scheibenwischer durch quietschende Geräusche kundtut, dass der Anpressdruck zu stark ist. Ein Effekt, der ansonsten nur bei Wischern entsteht, die trockene Scheiben reinigen sollen. Daher sollte immer auf ein Minimum an Nässe geachtet werden.

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